Spurensuche Teil 2  
     
  Ich war von meinem ersten Besuch in meinem Geburtsort ein wenig enttäuscht, da wir eigentlich nur zwei Nachmittage zur freien Verfügung hatten. Dies war mir entschieden zu wenig um einiges mehr über unsere frühere Heimat zu erfahren.  
  Zum anderen konnte ich ja nicht in unser ehemaliges Haus hinein und daher habe ich mich entschlossen noch einmal  - und nun auf eigene Faust - nach Ruma zu fahren. Helena unsere Kontaktperson in Ruma hatte mich schon öfters telefonsich eingeladen und nun habe ich mich entschlossen ihre Einladung anzunehmen.  
  Meine Recherche ergab, dass die günstigste Möglichkeit ein Flug Stuttgart - Belgrad - Stuttgart war und kurz entschlossen haben meine Schwester und ich diesen gebucht. Helena holt uns in Belgrad vom Flughafen ab und dann haben wir 1 Woche Zeit, genügend um uns gründlich umzusehen.  
 

 

 
     
 

Reisetagebuch

 
 

meiner zweiten Reise in meinen Geburtsort vom 2. - 9.6.2009

 
     
  Dienstag, den 2.6.2009  
 

Endlich war es soweit und meine Schwester und ich flogen mit German Wings in unseren Geburtsort Ruma. Abflug in Stuttgart pünktlich um 11.10 – Ankunft in Belgrad 12,55 Uhr wo uns Helena schon erwartete und in Empfang nahm. Wir verstauten unser Gepäck im Taxi und ab ging's Richtung Ruma. Nach ca. 1 Stunde Fahrzeit kamen wir vor Helenas Haus an – wir waren am Ziel.

Helena hatte bereits Gulasch vorgekocht und so konnten wir, zwar etwas verspätet, aber dafür ein sehr leckeres Mahl genießen.  Als Nachtisch gab es dann auch noch „Helena-Kuchen“ – wie meine Schwester ihn nannte; leider haben wir davon aber zu viel genossen, sodass wir unbedingt einen Verdauungsspaziergang brauchten.

Das Wetter war nicht sehr verlockend, dennoch machten Anni und ich uns auf den Weg zu einem ersten Bummel durch Ruma. Natürlich führte unser erster Weg zum Geburtshaus unseres Chousins in der Sodol Gasse, da ich versprochen hatte, ihm einige Fotos vom Haus und der Umgebung zu machen. Wir wollten uns auch die Kirche von "Alt Ruma" (wurde ca. 1780 nach hier verlegt). Leider war die Kirche abgeschlossen. Dann spazierten wir die Kiranova Gasse hoch zur Stefanigasse, wo früher das Haus unserer Großeltern mütterlicherseits stand.  Von hier aus ging es dann die ganze Stefanigasse hinunter bis zu unserem Haus. Anni kannte es ja nur von den Fotos von meinem ersten Besuch im September 2008. Da wir ja sowieso nicht ins Haus rein konnten, spazierten wir weiter die Stefanigasse runter bis zur Kudoscher Gasse. Hier sollte das Geburtshaus von Mathi  sein. Leider  habe ich die Skizze, welche Mathi mir geschickt hatte, noch im Koffer bei Helena und so konnten wir das Haus nicht eindeutig identifizieren und gaben auf. Unser Rückweg führte über die Sebstiani- und Michaeligasse zurück zur Orlovica, vorbei am Krankenhaus wieder zu Helenas Haus.

Helena hatte sich ausgeruht und wir machten es uns im Haus gemütlich, da es wieder mal regnete. 

Mittwoch, 3.6.2009

Helena hatte uns zum Frühstück Burek geholt. Da sie uns anmelden musste, beschlossen wir sie zu begleiten und bei dieser Gelegenheit konnten wir dann auch den großen Markt ansehen, welcher einmal monatlich auf der Hauptstrasse kurz nach der Kirche begann und bis zum Ortsausgang Richtung Belgrad statt fand. Da gab es nun wirklich alles zu kaufen, was das Herz begehrte. Ich kam mir vor wie in einem „orientalischen Bazar“.

Helena erklärte uns auf dem Rückweg einige der alten bekannten Gebäude wie z.B. die Herzog-Mühle und das Goldene Faßl usw.

Nun mussten wir uns aber sputen, denn Helena hatte mit Mila (meiner Gastgeberin bei meinem Besuch 2008) vereinbart, dass wir zum Mittagessen kommen würden. Wie üblich hat Mila wieder reichlich aufgetischt und abermals gab es leckeren Kuchen als Nachtisch.

Nach dem Mittagessen wollte sich Helena ausruhen und Anni und ich machten uns auf den Weg zum Friedhof, da wir versuchen wollten mehr auf dem Grabstein von Mathias Linzner zu entziffern. Als wir uns dem Kalvarienberg näherten sah ich, dass anscheinend mit Renovierungsarbeiten begonnen wurde. Der Drahtverhau am Eingang der Kapelle war verschwunden und wir konnten den Kapellenraum betreten. Ich erklomm dann auch noch die Treppe zum Kalvarienberg, da ich für den Rumaer Heimatverein ein Foto des großen Kreuzes machen wollte.

Nachdem wir fast den ganzen Friedhof nach bekannten Namen auf den alten Grabsteinen abgesucht hatten gingen wir wieder zum Kalvarienberg. Hier versuchten wir dann mit einigen Tricks, die Inschrift des Grabsteines von Mathias Linzner lesbar zu machen. Nähere Details möchte ich hier nicht wiedergeben nur soviel, dass wir vom Friedhofswächter gestört wurden. Nachdem er aber aus unserer Gestik begriffen hatte worum es uns geht, hat er uns bereitwillig noch einige der alten Gräber gezeigt. Darunter befand sich auch der Grabstein von Elisabeth Riffert – ich weiß nicht, warum mir der Name so bekannt ist.

Jedenfalls konnten wir die Inschrift auf dem Grabstein von Mathias Linzner fast detailliert entziffern. (Das Foto unserer Großeltern und Eltern – welches ich im Sept 2008 hier symbolisch zurückgelassen habe – war nicht mehr da).

Zurück bei Helena labten wir uns mit Eis und Kuchen und Helena erzählte uns einige Geschichten aus früheren Jahren. Besonders eine blieb mir gut in Erinnerung:

Auf dem Gebiet wo die Pestsäulen stehen, war früher ein großer Widder aus Stein abgestellt, welchen die Bauern als Beschwerung für die Egge benutzten. Eines Nachts haben zwei Griechen den Widder zerschlagen  und darin viel Gold gefunden und sind damit geflohen. Alle Suche war vergeblich, die beiden waren mit dem Schatz wie vom Erdboden verschwunden.

Dichtung oder Wahrheit? – wer kann das heute noch mit Sicherheit sagen?!

Dennoch haben mir Helenas Geschichten sehr viel Einblick in die Zeit unserer Eltern gegeben.

Donnerstag, den 4.6.2009

Da es noch immer nach Regen aussah und wir noch keine Nachricht von der jetzigen Besitzerin unseres Elternhauses erhalten haben, beschlossen wir uns die Ausstellung in Novi Sad anzusehen.

Um 6 Uhr aufgestanden, gefrühstückt und zum Standort für die Sammel-Taxis nach Novi Sad gegangen. Mit uns dreien war das Taxi nun voll und wir konnten so gegen 7,30 Uhr nach Novi Sad fahren. Dort angekommen spazierten wir durch die Altstadt und an einem Kiosk versuchten wir einen Bildband – auch mit alten Fotos von Novi Sad - zu bekommen. Während wir noch  verhandelten, sprach uns ein junger Mann an und meinte, wenn wir so gegen 11 Uhr wieder hier sein könnten, so würde er uns eine CD mit alten und neuen Fotos von Novi Sad brennen. Das war doch mal ein Super Angebot *freu.

Wir spazierten weiter in Richtung des Museums und siehe da, als wir hinkamen war es schon geöffnet. So hatten wir doch wenigstens keinen so großen Andrang und konnten uns die Ausstellung in Ruhe ansehen. Ich habe natürlich sehr viele Fotos gemacht, die ihr hier ansehen könnt.

Nach dem Museumsbesuch gingen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt um  unsere Verabredung nicht zu verpassen. Wir hatten uns gerade Cappuccino bestellt, als der junge Mann auch schon kam und mir die CD aushändigte. Wir luden ihn zu einem Cappuccino ein und ich gab ihm  für die CD  10 Euro. Auf unsere Frage, wie er denn so schnell an die Fotos gekommen sei, erklärte er uns, dass er bei einem Fotografen arbeite.

Wir telefonierten dann nach unserem Taxi und als es kam, fuhren wir Richtung Ruma – vorher machten wir aber einen kleinen Umweg über Peterwardein. Wenn wir schon hier waren, dann sollte sich meine Schwester die Festung von Peterwardein auch ansehen können. Kurz vor Ruma bat ich den Taxifahrer um einen kurzen Stop bei den Pestsäulen, da ich davon noch Fotos machen wollte ... ebenfalls wollte ich noch ein Foto vom Rumaer Ortsschild haben.

In Ruma angekommen gingen wir ins Heimatmuseum. Nach den ersten Sätzen war klar, der junge Mann war Djordje Boskovic, mit dem ich schon vor einigen Monaten Mailkontakt hatte – der dann aber leider im Sande verlief. Wie ich nun feststellen konnte, hat Djordje eine neue eMail-Adresse und daher kamen meine Mails alle als "unzustellbar" zurück.  Djordje Boskovic zeigte uns auf seinem PC die Fotos die er vom alten Rma gesammelt hat und versprach, uns bis zum nächsten Tag eine CD davon zu brennen. Außerdem schenkte er mir einen Band gesammelter Dokumente, worüber ich mich sehr freute.

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Müde machten wir uns auf den Weg zu Helenas Wohnung, um den ereignisreichen Tag ausklingen zu lassen.

 

Freitag, den 5.6.2009

Ca. 8,30 Uhr Frühstück und dann machten wir uns auf den Weg zum Museum. Da Helena zur Bank musste fuhr sie mit dem Fahrrad voraus und wir folgten zu Fuß. Auf dem Zentralplatz kamen uns Mila und Milena entgegen: Das gab ein Hallo, denn die beiden kannte ich ja schon von der Reise im September letzten Jahres. Sie wollten uns unbedingt zu Burek einladen. Wir mussten leider ablehnen, da wir bereits gut gefrühstückt hatten. Wir einigten uns auf einen Besuch bei Milena am Sonntag so gegen 16 Uhr zum Kaffee.

Im Museum angekommen erfuhren wir, dass Djordje nach Novi Sad zur Ausstellung gefahren sei, aber er hat die CD’s für mich bereit gelegt. Als wir uns das Museum ansehen wollten, erfuhren wir, dass es erst im Aufbau sei und es noch nichts zu besichtigen gab. Aber wenigstens dieses Model konnten wir fotografieren.

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Auf dem Rückweg schauten wir ins Gemeindehaus und da eine junge Frau gerade auf der Orgel  für Sonntag übte, konnten meine Schwester und ich in die Kirche mit hinein. Meine Schwester machte Fotos und ich habe in der Zwischenzeit ein Grablicht gekauft und es für unsere Eltern beim Hl.Antonius angezündet und aufgestellt.

Anschließend beschlossen meine Schwester und ich, noch ein wenig durch die Gassen von Ruma zu bummeln, während Helena sich ausruhen konnte. Wir gingen zur anderen Seite der Hauptstrasse zur Lorenzigasse, denn da soll der Vater unseres Großvaters eine Schlosserei gehabt haben. Da wir aber keine genaue Adresse hatten, konnten wir auch nichts finden. Wieder auf dem Rückweg überquerten wir die Johannes-Gasse und folgten der Eisenbahnstrasse  Richtung Hauptstrasse zum Hrvatski-Dom. Als ich meiner Schwester die Deutsche Volksschule  - wo unsere Eltern zur Schule gegangen sind – zeigen wollte, habe ich die Orientierung verloren und so machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Helenas Wohnung.

"Alt und Neu in trauter Eintracht " Ruma 2009

Da endlich die Sonne schien,  stellten wir die Gartenmöbel auf um die Sonnenstrahlen zu genießen. Helena bereitete dabei in der Sommerküche unser leckeres Mittagessen: Es gab eine Tomatensuppe und Fisch.

Damit Helena ihre Ruhepause einlegen konnte, gingen meine Schwester und ich wieder in die Kudoscher Gasse. Diesmal hatte ich die Skizze von Mathi dabei und ich war wild entschlossen ihr Geburtshaus zu finden – egal in welchem Zustand. Wow, dann war ich aber doch sehr verblüfft. Die meisten Häuser in der Kudoscher Gasse sahen sehr gut aus und dann standen wir vor Mathis ehemaligem Elternhaus und waren angenehm überrascht, wie gepflegt und sauber das ganze Anwesen wirkte. Es fiel umso mehr auf, da das Nebenhaus - Haus der Familie Wolf - eher unserem Elternhaus ähnelte.

Begeistert machte ich mich daran, für Mathi Fotos zu machen und als ich merkte, dass das Hoftor offen war, ging ich forsch hinein. Auch hier begeisterte mich die liebevoll gepflegte Hof- und Gartenanlage. Als ein Mann und eine junge Frau auf mich zukamen versuchte ich ihnen klar zu machen, dass ich als Baby hier geboren sei und fragte, ob ich Fotos machen dürfte. Die beiden drängten mich abrupt wieder aus dem Hof hinaus und da stand ich dann total perplex und wusste nicht wie mir geschehen war. Ich wollte doch nur ein paar Fotos für Mathi machen und wurde weg gejagt wie eine Zigeunerin. Später wurde mir klar, dass die beiden wahrscheinlich dachten, ich wollte die Fotos um Ansprüche geltend zu machen.

Wir beschlossen nun einfach noch einmal zu unserem Elternhaus zu gehen und selber versuchen herauszubekommen, welche Nachbarin einen Schlüssel zu unserem Haus  hat. Als in das Haus Nr. 54 ein Mann hinein gehen wollte, sprach ich ihn an und fragte mittels   Gestik ob sie einen Schlüssel zum Nachbarhaus hätten. Er bedeutete uns, dass wir warten sollten und verschwand ins Haus um bald mit einer Frau wieder zu kommen, welche uns nun in den Hof bat. Nach einigen vergeblichen Verständigungsversuchen lud sie uns zu einem Kaffee ein und bot uns frisch gepflückte Kirschen an. Kurz darauf kam eine junge Frau auf mich zu und stellte sich als Tanja vor. Sie hat viele Jahre in Stuttgart-Möhringen gelebt und sprach gut deutsch. Wir erklärten nun unser Problem und sofort fuhr jemand zu einer „Milka“ – welche die Freundin von der jetzigen Hausbesitzerin sei, um den Schlüssel zu holen. Leider trafen sie niemand an und meinten wir sollten doch am Samstag nochmals kommen so gegen 15 Uhr – sie würden heute abend den Schlüssel besorgen. Tanja lud uns dann für Samstag um 14,30 bei ihr zum Kaffee ein und anschließend würden wir dann unser ehemaliges Elternhaus besichtigen können.

Ich war schon ziemlich gestresst, weil ich befürchtete, dass es aller Voraussicht nach mit einer Besichtigung unseres ehemaligen Elternhauses wieder nicht klappen sollte.

 

Samstag, den 6.6.2009

Da wir nun ja alles soweit erledigt und genügend Kontakte für unsere weiteren Recherchen geknüpft hatten, konnten wir die letzten 3 Tage richtig ruhig verbringen. Nach dem Frühstück gingen wir wieder ins Heimatmuseum, da wir Djordje eine Dankeschön - für seine Hilfe und in der Hoffnung, dass er uns noch weiterhelfen würde – übergeben wollten.  Dann bummelten wir noch ein wenig über den Markt neben der Kirche und dann ging es zum Mittagessen nach Hause. -  Zwischenzeitlich sind mir die Strassen von Ruma schon so vertraut geworden, dass ich nun von Helenas Haus schon als „zu Hause“  denke –

Nachmittags machten wir uns auf den Weg zu Tanja und dabei konnte ich Anni dann doch noch die Deutsche Volksschule zeigen. Wir hatten auch kein Problem das Haus zu finden, doch leider hatte ich den Zettel mit der Adresse bei Helena liegen lassen. Also ging ich einfach in den Hof und rief : „ Halloooo, Tanja ! .... und siehe da, Tanja tauchte auf und begrüßte uns herzlich.

Während wir Kaffee tranken erzählte sie uns einiges über die Verhältnisse in Ruma. Sie ist sehr unglücklich wieder hier leben zu müssen. Ihr hatte es in Deutschland sehr gut gefallen. Während unserer Unterhaltung tauchten dann auch die anderen Familien-Mitglieder auf und wir lernten ihren Mann, sowie die Tochter und den jüngeren Sohn kennen. Tanja und ihr Mann sehen für sich keine Perspektive in Ruma, aber im Augenblick sieht es nicht so aus, als ob sich daran etwas ändern könnte.

So gegen 16 Uhr gingen wir durch den Garten hinüber in das uns nun schon bekannte Nachbarhaus unseres Elternhauses. Aber trotz längerem Warten kam niemand von Draga`s Familie vorbei und auch ein abermaliger Kontaktversuch mit ihrer Freundin Milka schlug fehl. Ich war enttäuscht und nur noch deprimiert. Hatten wir doch diesen Aufenthalt nur erwogen, weil uns fest zugesichert worden war, dass wir das Hausinnere auch besichtigen könnten.

Abends  dann hat Helena doch noch Verbindung zu Draga bekommen und mit ihr einen Termin für Sonntag 17 Uhr gemacht. Na das kann ja heiter werden .... um 16 Uhr zu Milena zum Kaffee und dann gleich um 17 Uhr zur Hausbesichtigung. Das war ja nun wieder nur mit Taxi zu schaffen *lach – das bin ich ja nun schon gewohnt. Nur gut, dass die Taxis in Ruma wirklich sehr preisgünstig sind.

Abends kochte Helena die "Bella Djorba" (keine Ahnung wie man es richig schreibt ) für Sonntag vor. Seit 40 Jahren versuche ich an das Rezept für diese schmackhafte, weiße Hühnersuppe zu kommen und natürlich musste ich mir das Rezept gleich notieren.

 

Sonntag, den 7.6.2009

Frühstück um 8 Uhr und anschließend machten wir uns „stadtfein“. Um 9,30 gingen wir zur Kirche. Anfangs wunderte ich mich, dass zwei kleine Mädchen mit den Ministranten vorne am Altar standen, bis ich mitbekommen habe, dass die beiden Mädchen zur 1. Hl. Kommunion gingen. Das war ein sehr emotionaler Moment für mich, denn eines der Mädchen  hätte unsere Mutter im gleichen Alter gewesen sein können. (Das gleiche ovale Gesicht und die langen schwarzen Haare) Ich musste daran denken, dass genau so unsere Mutter damals vor vielen Jahren hier vor dem Altar gestanden hatte.

Nach der Messe waren wir noch im Gemeindehaus, wo wir uns für den Heimweg stärkten *lächel. Dabei lernte ich eine Bekannte von Helena kennen, die 4 Internierungslager überlebte. Sie erzählte mir, dass ihre Tochter Annemarie ebenfalls in Stuttgart sei.

Nach dem Mittagessen wollte sich Helena noch etwas ausruhen und meine Schwester und ich machten es uns im Hof unter dem Sonnenschirm bequem. Zwischenzeitlich war es so heiß geworden, dass wir keine Lust zu einem Spaziergang verspürten.

Um 16 Uhr waren wir dann bei Milena zum Kaffee und es gab „Mamas Mohnstrudel“  *der war  LECKER ! Natürlich mussten meine Schwester und ich auch dieses Rezept haben `*lach

Als dann Mila noch kam und eine große Portion Eis für jeden mitbrachte, war die Kalorienbombe perfekt. Ich verbot mir strickt, an mein Gewicht zu denken – aber ich habe garantiert einige Kilo zugelegt in dieser Woche *das bedeutet, wenn ich wieder zu Hause bin, ist „FDH“ angesagt!

Leider mussten wir die fröhliche Kaffeerunde um 17 Uhr verlassen und uns ganz schnell ein Taxi zu unserem Elternhaus nehmen – sonst könnte es sein, dass Draga schon wieder weg ist und wir wieder nicht hinein können. Als wir zum Haus kamen war niemand zu sehen, aber das Hoftor war offen. Wir gingen also hinein und da kam uns Draga mit ihrer Freundin Milka schon entgegen. Sie führte uns durch das ganze Haus und betonte immer wieder, dass sie es genau in diesem Zustand gekauft habe. Wie dem auch sei, dass ändert nichts an der Tatsache, dass das Haus dringend abgerissen werden sollte. Es ist bereits derartig baufällig, dass die Nachbarn Angst um ihre Kinder haben, die täglich im Hof spielen.

Ich kann nicht beschreiben wie ich mich fühlte;  ich befand mich in einem ganz seltsamen Gemütszustand. Entweder  weil es lange aussah, als ob wir nicht in das Haus könnten ... und immer wieder Hoffnung, die dann wieder zerschlagen wurde... jedenfalls fühlte ich absolut nichts, als ich durch das Haus ging. Erst draußen im Hof, als ich auf das Gangzimmer sah, hätte ich heulen können. Ich hatte doch die Erinnerung wie es damals unter der Pflege unserer Mutter aussah... es war mir unerträglich und ich wollte nur noch weg. Jetzt ist das Thema „Elternhaus“ endgültig abgechlossen für mich.

Wir machten weitere Fotos von Haus und Grundstück und baten Draga, uns von unserem Nussbaum ein paar Nüsse zu schicken oder mitzubringen, wenn sie wieder in den Raum Stuttgart kommt.

Dann machten wir uns auf den Weg zum Taxi, welches auf uns wartete und uns zu Helenas Haus brachte.

 

Montag, den 8.6.2009

Wir frühstückten ca. 8 Uhr und wollten heute eigentlich nur relaxen. Da es aber heute wieder sehr heiß zu werden schien, wollten meine Schwester und ich doch noch mal einen Spaziergang in Ruma zu machen, denn am Dienstag geht es wieder nach Hause.

Wir beschlossen mal die nähere Umgebung von Helenas Haus zu erkunden. In der Orlovica, -  nach Helena ortsauswärts – gibt es sehr viele wirklich schöne und gepflegte Häuser.

Bei der ersten Querstrasse bogen wir dann aber rechts ab und befanden uns nach einiger Zeit auf freiem Wiesen- und Feldgelände.  Wir folgten dem Weg in Richtung „Alt Ruma“ und sahen rechts die Skyline von Ruma. Nochmals versuchte ich, ob die alte Kirche von Ruma offen war, aber dem war nicht so. Also gingen wir weiter die Sodolgasse hoch bis zur Orlovica und dann wieder die Zielgerade zu Helenas Haus, wo wir total erschöpft ankamen, da es zwischenzeitlich sehr heiß geworden war. Also erholten wir uns auf unserem schattigen Platz in Helenas idyllischen Hof. Helena  versorgte uns noch mit Ablegern von ihren Pflanzen, so nahmen wir doch etwas aus Ruma mit nach Deutschland .

Abends haben wir dann unsere Koffer gepackt, denn wir wollten auch unsere Pflanzenableger mit in die Koffer packen, da Helena sie uns sehr fachgerecht verpackt hatte, indem sie große Plastikflaschen aufschnitt und wir die Pflanzen dann in die Flasche hinein legen konnten. Bin ja gespannt, wie sie den Transport überstehen werden.


Dienstag, den 9.6,2009

Wir frühstückten schon sehr früh, wahrscheinlich war das bereits unser Reisefieber, und stellten unser Gepäck bereit. Dann setzten wir uns ein letztes mal in unsere Sitzecke im Hof und warteten auf das Taxi, welches auch pünktlich wie bestellt kam. Nachdem die Koffer verstaut waren fuhren wir zum Flughafen. Etwas wehmütig betrachtete ich die vorbeiziehende Landschaft ... aber dennoch freute ich mich auch wieder auf mein eigenes kleines Reich.

Am Flughafen brachten Helena und der Taxifahrer uns noch in die Abfertigungshalle und dann kam der Abschied. Wir bedankten uns nochmals bei Helena für ihre große Gastfreundschaft und ihre Hilfsbereitschaft bei unseren Recherchen.

Der Flug zurück nach Stuttgart verlief ohne Probleme und um 15,43 waren wir schon wieder auf Stuttgarter Boden.

 

FAZIT:

Es war eine sehr ereignisreiche Woche; wir haben viel gesehen, viele Kontakte für unsere weiteren Recherchen geknüpft und vor allen Dingen sehr viel Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft erfahren.

Der größte Dank jedoch gilt Helena für ihre "Rundum-Betreuung" - auch wenn wir jetzt wieder Mühe haben, das Übergepäck auf den Hüften los zu werden !!! 

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