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Konya -
Tanzritual der Derwische
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| Dschalal ad-Din Rumi war
Sohn eines Theologen aus Balkh und verließ wie viele andere
Intellektuelle seinerzeit den Osten vor den heranrückenden Mongolen.
1244 begegnete er bei Täbris dem Wandermönch Samsaddin, mit dem er
monatelang zusammenlebte. Vor Rumis eifersüchtigen Schülern floh
Samsaddin, wurde später von ihnen ermordet. Eine zweite Liebe
verband Rumi mit einem Goldschmied, eine dritte mit einem Schüler. |
| Aus diesen nicht nur
mystischen Verhältnissen schöpft die Lyrik Rumis ihre Bilder; und aus
der Lyrik wiederum die Mevlana-Musik ihren Rhythmus. Sein Lehrwerk, die
Matnawi, eine lose Verknüpfung von Geschichten, Parabeln, Aphorismen,
bietet kein geschlossenes theologisches System, sondern spiegelt die
gesamte islamische Tradition wider, erschließt dem Leser ständig neue
Bedeutungsebenen und lässt sich mit nahezu allen Lebenssituationen und
Kulturen verknüpfen. Entsprechend hat es neben dem Koran den meisten
Einfluss auf die spätere Literatur des persischen und türkischen
Sprachraumes ausgeübt. |
| Schüler und Anhänger
Mevlanas organisierten sich später im Derwischorden Mevleviye, Formal
von christlichen Mönchsorden beeinflusst, lebt der meist kleine, innere
Kreis der Brüder zölibatär und besitzlos in einem Kloster (Tekke). Ihrem
Scheich sind sie zu absolutem Gehorsam verpflichtet. Den äußeren Kreis
bilden jene Derwische, die nur zu religiösen Übungen und Andachten in
die Tekke kommen, sonst aber draußen Beruf und Familienleben pflegen.
Den dritten, bei weitem größten Teil machen lose Anhänger und
Sympathisanten aus. Die Theologie der meisten Derwischorden ist
schiitisch beeinflusst. Sie wurden und werden durch das Fehlen eines
Priestertums und damit priesterlicher Seelsorge im Islam begünstigt.
Auch ist das Kloster ein gesellschaftlicher Treffpunkt unverheirateter
Männer. |
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Die im Unterschied etwa zu den Bektasis stark
intellektuell ausgerichtete Mevleviye mischt in ihrer Vorstellungswelt
antike, hellenistische, christliche und islamische Elemente und war in
der osmanischen Geschichte einflussreichster Vertreter von Toleranz und
Liberalität gegenüber der islamischen Orthodoxie. Sie wurde in Europa
als Tanzende Derwische bekannt und zum Synonym für alle Derwischorden
schlechthin. Die Mevlevi versuchen durch den Dikr, jenen nur ihren
eigentümlichen Tanz, zur Vereinigung mit Gott zu kommen. Mit ihren
langen weißen Gewändern, Leichentücher symbolisierend, ihren roten
konischen Hüten strecken sie langsam einen Arm gen Himmel, den anderen
nach unten, um so die Einheit von Himmel und Erde zu vermitteln. Auf der
Ferse drehen die Tänzer sich dann immer schneller um die eigene Achse,
gleichzeitig als Kreis um einen im Gegensinn rotierenden Einzeltänzer,
ein ekstatisches Bild weiß-roter Wirbel, das den Umlauf der Gestirne
darstellt. Begleitet wird der Tanz durch Chor und ein kleines Orchester
mit Trommeln, Rohrflöte und Streichinstrumenten. |
| Wie alle Derwischorden wurde
die Mevleviye im Zuge der Säkularisierung, aber auch aus unmittelbar
politischen Gründen von Atatürk verboten. Dennoch ist die zentrale Tekke
in Konya heute mehr als Museum, nämlich ein von den meisten Besuchern
als sakral verstandener und verehrter Ort; und sind die im Rahmen des
Mevlana-Festivals dargebotenen Tänze kaum bloße Folklore, sondern
religiöse Handlung, an der teilzuhaben traditionell jeder (Mann!)
aufgerufen ist, ungeachtet seiner Religionszugehörigkeit. |
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Auszug aus Konyas
tanzende Derwische |
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Ein ganz besonderes Erlebnis
war die Teilnahme an einem
Zeremoniell der Derwische im Kappadokischen Kulturzentrum ! |
| Während des Rituals durfte
weder fotografiert, noch geklatscht werden und es musste absolute Ruhe
herrschen. Nach dem Ritual kamen die Tänzer auf die Bühne - diesmal ohne
Musikanten - und tanzten nochmals und dann durften wir fotografieren. |
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