Kloster Nea Moni - Anavatos

Diese beiden Ziele hatte ich mir auch vorgenommen, aber leider fuhren zu diesem Zeitpunkt keine Busse hin. In der Hochsaison werden Ausflüge dahin veranstaltet, aber nicht in der Vor- oder Nachsaison. Ich fragte also einen Taxifahrer, was denn die Fahrt kosten würde und er gab zur Antwort 55 € und somit war für mich das Thema erledigt.

Frustriert ging ich in den Stadtpark um zu überlegen was ich als nächstes Ziel ansteuern sollte. Schon wollte ich die Wanderung nach Karyes vorziehen, als mich ein Grieche auf deutsch ansprach. Wir unterhielten uns eine ganze Weile und er erzählte mir, dass er in NRW gearbeitet habe und nun wieder nach Hause zurück gekehrt sei. Als ich ihm erzählte, was mir gerade mit dem Taxifahrer passiert sei, lachte er und meinte: " Der wollte jetzt mal einen guten Fang machen und eine Touristin über den Tisch ziehen!" Er ging dann zu einem der Taxifahrer und sprach mit ihm. Dieser bot mir dann an, die Fahrt für 25 €  zu machen und das war für mich akzeptabel.

Die Fahrt allein war schon ein Genuß durch die schöne Landschaft und die dichten Pinien- und Kiefernwälder bis zum Kloster Nea Moni.

Irgendwo in der Mitte zwischen Ost und West, etwa 15 km von Chora entfernt, befindet sich Nea Moni. Das Kloster mit seiner Ringmauer, der hohen Kirche, seinen Bauten und den hohen Zypressen als einziges Bauwerk aus der Gebirgslandschaft herausragend, wirkt auf jeden Besucher. Es handelt sich um das bedeutendste christliche und geschichtliche Baudenkmal von ganz Chios.

Wie die Überlieferung besagt, haben drei chiotische Asketen- die in einer Höhle oberhalb des heutigen Klosters lebten - eines Nachts im dichten Kiefernwald ein wundersames Licht gesehen. Um zu diesem Licht hinzukommen mussten sie den Wald abbrennen. Unversehrt blieb allein ein Myrtenstrauch, an welchem eine Ikone der Gottesmutter hing. Sie nahmen sie mit in ihre Höhle, doch die Ikone kehrte in drei aufeinander folgenden Nächten immer wieder zum Myrtenstrauch zurück. Da beschlossen die drei Asketen, ihr dort eine Kapelle zu bauen und sich selbst daneben niederzulassen.

Kurz darauf bedeutete ihnen ein Traum, auf die Nachbarinsel Lesbos zu reisen, um dem dorthin verbannten byzantinischen Prinzen Monomáchos im Namen Mariens zu verkünden, er werde bald nach Konstantinopel zurückkehren und dort zum Kaiser ausgerufen. Im Jahre 1042 bestieg Monomáchos tatsächlich den byzantinischen Kaiserthron. Bei den drei Asketen und der Gottesmutter bedankte er sich mit der Stiftung eines neuen Klosters, eben des Nea Moni.

Leider konnte ich die Kirche nicht besichtigen, da sie z.Zt. gerade restauriert wird.

Kloster Nea Moni

Anavatos, das Mystras der Aegäis

Der Blick auf Anavatos ist faszinierend. Es handelt sich um ein ganzes Dorf, das bis zum Gipfel eines Granitfelsens, am Rande eines Abhanges hinaufgeklettert ist. Die Straße steigt über schlangenartige Kurven bis zum Fuße des Felsens hinauf und erreicht dann den Eingang zum Dorf. Ringsherum gibt es tiefe unbetretene und schattige Schluchten die die Landschaft vervollständigen.

Auch der Name Anavatos (der Unbesteigbare) erklärt den Grund, warum dieses Dorf an dieser Stelle gebaut wurde, Seine natürliche Lage und die Befestigung schützten offenbar das Dorf vor Piratenangriffen aus den Westküsten. Man sagt, dass seine ersten Bewohner Holzfäller aus dem Byzanz waren, die Kaiser Konstantin Monomáchos dorthin verbracht hatte, damit sie das Kloster Nea Moni bauten.

Die meisten Gebäude des Dorfes sind in gutem Zustand erhalten. Sie vermitteln als Ganzes ein Bild einer halbausgestorbenen Ortschaft und lassen sie inmitten der wilden Landschaft noch imposanter wirken.

Heute leben in dem Dorf nur sehr wenige, meist ältere Bewohner. Die Siedlung steht unter Denkmalschutz und man hat in den letzten Zeit mit dem Wiederaufbau einiger Häuser begonnen.

Fotos von Anavatos

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