Mastixdorf MestáDas Juwel unter den Mastixdörfern (400 Einw.) wirkt wie ein Dorf aus einer längst vergangenen Welt. Die Randhäuser bilden deutlich erkennbar die Stadtmauer, an den Ecken stehen sogar noch massive Rundtürme. Für die Höhe und Breite der Verkehrswege im Dorf war ein beladenes Maultier das Maß aller Planungen. Für diese Art der Bebauung war die Bedrohung durch die Türken und Piraten ausschlaggebend. Sackgassen sollten ins Dorf eingedrungene Feinde in die Falle locken, Schießscharten in Hausmauern ihre Bekämpfung ermöglichen. Bei meinem Spaziergang durch Mestá bin ich einige male an so einer Sackgasse gescheitert und mußte mir wieder eine andere Gasse suchen. Dadurch hätte ich beinahe den letzten Bus zurück nach Chios-Stadt verpaßt.
Mastixdorf Pyrgí Das ist das größte (1150 Einw.) und bekannteste der Mastixdörfer. Die erste Gasse führt direkt auf die Platia. Die Fassaden der Häuser auf drei Seiten und die Mauern der Mitropolis-Kirche aus dem 16. Jh. sind über und über mit schwarz-weißen oder schwarz-grauen geometrischen Mustern überzogen. Xystá wird diese Technik genannt. Auf die zunächst mit einem dunklen Sand verputzten Wände wird eine weiße Kalkschicht aufgetragen. Danach werden aus dem Kalküberzug die geometrischen Formen heraus gekratzt. Man vermutet, dass dieser Kratzputz von den Genuesern auf Chios eingeführt wurde. Was mir in Pyrgi besonders gefiel, das waren die an Schnüren aufgefädelten kleinen Tomaten, die an den Hauswänden und Balkonen aufgehängt waren. Von der Platia aus führt ein 16 m langes, dunkles Gewölbe zur versteckt liegenden byzantinischen Kirche Ágii Apóstoli aus dem 14. Jh. mit noch sehr gut erhaltenen Wandmalereien.
Mastixdorf Véssa Für den Besuch dieses Dorfes habe ich mich entschieden, da es als das verlassendste bezeichnet wird. Die meisten jüngeren Leute haben den Ort verlassen, um andernorts bessere Arbeitsbedingungen zu finden. Daher leben hier fast ausschließlich ältere Menschen. Neben dem Brunnen auf der Platia ist ein kleiner Mastixstrauch eingepflanzt. Für mich war diese Platia die schönste von allen 3 Mastixdörfern die ich gesehen habe. Liegt aber vor allem daran, weil diese von riesigen Platanen beschattet wurde. Ich fand diese Platia anheimelnd und urwüchsig – eben so, wie ich mir eine Platia vorstelle. Was mir aber am besten gefiel war, dass es außer mir keine Touristen in Véssa gab. Endlich ein Dorf, das nicht von den Touristen überrannt wird. Wahrscheinlich ist es den meisten nicht interessant genug. Mich hat gerade der Aspekt, dass über diesen Ort nicht viel geschrieben wird dazu gebracht Véssa zu besuchen und ich habe es nicht bereut. Auch Véssa hat sehr malerische Gassen – aber leider auch sehr viel Verfall, dennoch hat dieses Dorf auf mich einen ganz besonders starken Eindruck gemacht.
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