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Mastix - Harz als Exportschlager Die Pflanze, die der chiotischen Flora eine Einzigartigkeit gibt, ist der Mastixbaum. Er ist niedrig wie ein Strauch, mit ausgebreiteten Zweigen und einem hell- oder dunkelgrauen Stamm, je nach Alter. Auf seiner Oberfläche trägt er unregelmäßige Platten, ähnlich wie Falten, genauso wie die Pinie. Daraus entsteht das natürliche Harz, der Mastix. Es scheint, dass der Mastix bereits im Altertum wegen seiner Heileigenschaften, der ätherichen Öle und seines Aromas bekannt war. Dieses einmalige, edle und sehr teure Produkt, das ausschließlich auf dieser Insel produziert wird. ist eng verbunden mit der Geschichte Chios'. Der wirtschaftliche und soziale Wohlstand über einen längeren Zeitraum war hauptsächlich diesem Erzeugnis zu verdanken. Wann genau sein Anbau allgemein eingeführt wurde, ist nicht definitiv bekannt. Die Überlieferung besagt aber, dass die Bäume zu tränen begannen, als der Heilige Isidor von den Römern gefoltert wurde (250 v.Chr.). Es ist tatsächlich nachgewiesen, dass die Inselbewohner ab diesem Zeitpunkt mit dem systematischen Anbau der Mastixbäume begannen. Die einmalig günstigen Klimaverhältnisse in Südchios schaffen eine ausgezeichnete Umwelt für das Gedeihen des Mastixbaumes; besonders hohe Sonnenhelligkeit während des ganzen Jahres, sehr wenige Regenfälle im Sommer, milder Winter mit Temperaturen, die nicht unter Null Grad gehen, sowie die Beschaffenheit des Bodens aus Kalkstein, der nicht viel Feuchtigkeit auf der Oberfläche festhält. Der Anbau und die Verarbeitung des Mastix werden auch heute noch in der alten traditionellen Art betrieben. Das erfordert viel Personal, Zeit und Mühe, was dem Mastix einen noch größeren Wert verleiht. Die Arbeiten für das Einritzen und das Stecken des Stammes sowie für die Ernte des Mastix dauern den ganzen Sommer und umfassen viele Abschnitte: Bei der Vorarbeit wird der Boden unter jedem Baum gesäubert und geebnet. Die Stämme werden gereinigt und gerieben und gründlich abgewischt. Es folgt das Belegen des Bodens mit weißer Erde, besonders in Gegenden mit roter Erde. Die weiße Erde lässt sich bei der Reinigung leichter vom Mastix unterscheiden. Nächster Vorgang ist die Vorbereitung des Baumes, anschließend findet das Stechen mit einem Stecheisen oder mit einem kleinen Hammer statt, eine Arbeit, die eine besondere Fertigkeit erfordert. Der Stamm wird mit senkrechten und waagrechten Schnitten in einer Tiefe von 2-4 mm vorsichtig eingeritzt, so dass der "Baumknochen" nicht zum Vorschein kommt. Jeder Baum wird 5-8 mal mit wenigen Stichen - die immer von unten anfangen - gestochen. Der Mastix beginnt aus den Einschnitten zu fließen und braucht etwa 15 Tage um fest zu werden, so dass er aufgesammelt werden kann. Das erste Einbringen des dicken Mastix findet um den 15. August statt. Es folgt das zweite Stechen und das letzte Einbringen des Mastix gegen Mitte September. Nachdem die gesamte Produktion eingesammelt ist, beginnt die Verarbeitung des Mastix. Als erstes findet das Sieben statt, dann wird der Mastix mit reiner Seife und kaltem Wasser gewaschen. Er wird zum Trocknen ausgebreitet und anschließend mit einem Messerchen Stück für Stück abgerieben, um von jeglichem Fremdkörper, der haften geblieben ist, gereinigt zu werden. Das letzte Sieben durch verschiedene Siebe wird durchgeführt, damit der Mastix in Qualitäten und Arten, in grobem oder feinem Mastix und dessen Unterprodukte sortiert wird. Der Mastix eignet sich für viele Verwendungen. Am meistern verbreitet ist seine Nutzung als Kaugummi und als Aroma beim Backen und bei der Getränke - Idustrie. Das Mastixöl findet Anwendung bei hochwertigen Möbelpolituren und Musikinstrumenten. Es wirkt als Festiger von Farben für die Textilindustrie und die Malerei. In der Kosmetik wird er Bestandteil von Aromazusammensetzungen, Gesichtscremen, Nagellacken usw. Darüber hinaus wird er auch in der Kiefernorthopädie und bei vielen medizinischen Anwendungen benutzt. Während der Türkenherrschaft genehmigten die Türken den freien Handel, forderten aber von jeder Ernte 26 to Mastix als Steuern. Die Genossenschaft der Mastixproduzenten wurde 1938 gegründet. An den Südküsten Chios', dort wo der Mastix gedeiht, gab es etwa 27 Ortschaften, die Mastixdörfer genannt wurden, nachdem die Anbauer des Mastix dort lebten. Ihr erster geschichtlicher Anlauf fällt in die Zeit des byzantinischen Reiches, doch wird ihre eigentliche Existenz in der Zeit der Genueserherrschaft begründet. Die Genueser sind diejenigen, die für die Festungsform und die Befestigung der Mastixdörfer sorgten, sowohl aus Gründen der Verteidigung gegen mutmaßliche Eroberer, als auch wegen der Kontrolle über das wertvolle Mastixmonopol. Anschließend, als Chios unter die Herrschaft der Türken fiel, geht die Verwaltung der Mastixdörfer auf Agha Sakiz Emini über, der sein Interesse auf die Erhaltung des Mastixmonopols konzentrierte, indem er den Schmugglern harte Strafen auferlegte, gleichzeitig aber auch sehr günstige Lebensumstände für die Bewohner schuf. Immerhin hatten somit die Bewohner der Mastixdörfer keine Probleme während der Türkenherrschaft, obwohl sie nicht einmal einen kleinen Anteil an ihrem natürlichen Reichtum besitzen durften. Die Natur selbst war aber hart gegen sie. Durch das verheerende Erdbeben von 1881 erlitten alle südöstlichen Dörfer große Schäden. Heute existieren insgesamt 24 Mastixdörfer, einige von ihnen in sehr gutem Zustand, darunter das wichtigste und größte Dorf Pyrgi. Weitere Dörfer sind Mesta, Olympi, Kalamoti, Armolia, Kallimassia, Neninta und Vessa. Die Mastixplantagen sehen von oben wie Moos-Polster aus
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