Anekdoten und besondere Erlebnisse

 

Marlene wird vom Prinz (oder war es eine Prinzessin?) wach geküsst …..

In meinem Urlaub auf Kos bin ich sehr viel mit dem Fahrrad unterwegs. Sehr früh morgens ging ich auf Tour und um die Mittagszeit, wenn es sehr heiß wurde, habe ich mich meist unter Bäumen gelegt und ausgeruht. 

Bei einer Fahrt bin ich dann unter einem Baum eingeschlafen. Ich schreckte hoch, als ich was Feuchtes spürte und mit erschreckten Augen starrte ich auf eine Ziege, die weiterhin versuchte, mir genüsslich das Gesicht abzulecken.  

Unweit davon stand der Hirte und lachte sich kaputt.

 
   

Kalimera…

 Auf einem Spaziergang durch einen kleinen Ort grüßte ich immer ganz stolz „Kalimera“, war das doch das einzige griechische Wort das ich kannte. Auf dem Rückweg saß dann die alte Frau vom Balkon auf dem Rinnstein vor dem Haus und zog mich zu sich hinunter.  

Es begann dann ein langes Gespräch – allerdings nur von ihrer Seite aus – über die Schmerzen die sie in den Beinen habe (ich habe es ihrer Gestik entnommen).  

Dieses Erlebnis gab den Ausschlag, dass ich – wieder zu Hause in Stuttgart – einen Kurs an der VHS für neugriechisch belegte. Ich habe immer wieder auf meinen Fahrten erlebt, dass die Menschen in Griechenland unheimlich gastfreundlich und auch „wissbegierig“ sind.

Nun, das kam mir ja sehr entgegen, ich bin ja auch eine „Quasseltante“

 

 
   

Ich lerne mein zweites griechisches Wort …

Als ich durch die Gassen von Zia, dem Gebirgsdorf auf Kos spazierte, zog ein köstlicher Duft nach frischgebackenem Brot in meine Nase. Da das Hoftor nur angelehnt war, machte ich es weiter auf und steckte meinen Kopf hinein.

Im Hof stand eine Frau vor einem Backofen und lächelte mich freundlich an. Ich zeigte den Fotoapparat und fragte ob ich ein Foto machen dürfe.

Da kam der Mann aus dem Haus und sagte zur mir „Katze“ und ich blickte mich um, aber ich sah keine Katze. Er sagte wieder „Katze“ und ich fragte: „wo ist denn die Katze?“

Da packte er mich an den Schultern, drückte mich auf einen Stuhl und sagte wieder „Katze“ – und da wusste ich was er meinte. Ich hatte also mein  zweites griechisches Wort gelernt ;-)))) Katse heißt also auf griechisch: „Setz Dich“ ;-)))

Ich wurde dann mit leckerem Choriatiki und dem frisch gebackenen Brot bewirtet.

 

 
   

Wie lange braucht man …. 

Auf Euböa wollte ich auf die höchste Erhebung steigen und fragte einen Mann, wie lange man für den Aufstieg brauche, Seine Antwort: „ Eine Schachtel Zigaretten….“ 

Wer hat Lust, das auszurechnen?

   

 

Mein Lieblingsessen und seine Tücken ;-))) 

Ich esse wahnsinnig gerne die Zucchini – Keftedes, konnte mir aber einfach das für mich schwierige Wort: Kolokitha-Keftedes nicht merken. Ich ließ der Einfachheit halber immer eine Freundin für mich bestellen.Nun kam es aber, dass diese schon zurückflog und ich noch eine Woche in Athen hatte. Also meinte meine Freundin: „Wenn Du Dir den Namen so schlecht merken kannst, sag doch einfach Kolokeftedes, das ist eine Abkürzung“

Als ich am nächsten Tag in der Placka ganz stolz über den Platz rief: „mia merida kolo-keftedes, parakalo!“ drehten sich alle Leute um und fingen an zu lachen. Der Ober, der mich zwischenzeitlich schon gut kannte fragte: „Was willst Du haben?“Und ich wieder: „mia merida kolokeftedes“ …. Und wieder das gleiche Lachen von allen Seiten.

Er kam an meinen Tisch und meinte: „Weißt Du eigentlich, was Du jetzt bestellt hast?“  Auf meine Antwort: „Ja, Zucchini-Keftedes“  - gab er zurück: „Nein, meine Liebe, Du hast Ar.….bällchen bestellt“…..

Ich wäre am liebsten im Boden versunken, aber ich habe nie wieder jemandem geglaubt, wenn er mir ein Wort „leichter verständlich“ machen wollte! Ein Wörterbuch ist mir da die sichere Seite ;-))

Als ich mir dann Jahre später den Film: "My big fat greek wedding" ansah, erinnerte mich vieles an meine Erlebnisse dieser Art.

 

Auch eine Art von Gastfreundschaft…. 

Auf der Fahrt nach Kap Sounion war der Bus derartig voll, dass bestimmt keiner umfallen konnte. Man kam sich vor wie eine Sardine in der Sardinenbüchse.

Als ich wieder mal ein Stück zwischen die Sitzreihen gedrückt wurde, ergriff ein älterer Grieche meine Hand, hielt mich fest und meinte ich solle hier stehen bleiben. Also blieb ich  - festgehalten von seiner Hand – wie festgewurzelt stehen und ließ die anderen sich hinten an mir vorbeidrücken.

An einer der nächsten Haltestellen wusste ich warum. Sein Nebensitzer wollte nämlich aussteigen und der Platz wurde somit frei. Er stellte sich so, dass der andere an ihm und mir vorbei raus musste und dann schob er mich einfach auf den Fensterplatz und setzte sich dann daneben.

Somit hatte ich einen schönen Fensterplatz und konnte die Fahrt nach Kap Sounion noch richtig genießen.

 

Hilfsbereitschaft 

Als ich in Tolon meine schwere Bronchitis hatte und vom Arzt Bettruhe verordnet bekam, wurde mir wieder die große Hilfsbereitschaft zuteil. 

Als das Zimmermädchen mich im Bett vorfand, fragte sie mich ob sie später noch mal kommen solle. Ich sagte ihr, dass ich krank sei und die nächsten Tage im Bett bleiben müsse. 

Sofort bot sie mir an, mir Tee und Zwieback zu bringen. Diese Hilfsbereitschaft zeigte sie 14 Tage lang, indem sie mich mit Getränken und zu den Mahlzeiten immer mit einer Suppe verwöhnte. Täglich einmal kam auch der Besitzer des Hotels und fragte ob ich etwas brauchen würde. 

So waren diese Tage doch einigermaßen erträglich und sie haben sich dann doch gefreut, als ich wieder das Bett verlassen konnte. 

Sind wir im falschen Film…. 

Bei der Ankunft auf Skopelos sprach uns ein kleiner Junge an, ob wir Zimmer suchen. Auf unsere Bejahung hin führte er uns zu einer jungen Frau.  

Ich dachte ich bin im falschen Film… die junge Frau sah aus wie Melina Mercuri im Film „Sonntags nie“… Sie trug einen superkurzen Mini mit einer knallengen Korsage und trippelte auf ihren hohen Absätzen vor uns her durch die engen Gässchen bis zu ihrer Wohnung. (Wir haben uns gewundert, dass sie sich nicht die Beine gebrochen hat). Hier übergab sie uns vertrauensvoll den Schlüssel zu ihrer Wohnung. Sie würde bei ihrer Freundin schlafen. 

Am nächsten Tag kam sie ganz früh bei uns vorbei und meinte, ob wir ihr das Geld nicht schon im voraus geben würden. Wir sahen kein Hindernis und gaben ihr das Geld. Am Abend stand ich auf dem Balkon und fiel fast um vor Lachen. Sie saß unter unserem Fenster und probierte ein paar neue Schuhe mit superhohen Pfennigabsätzen an. Dafür also wollte sie die Bezahlung schon im voraus haben – nun, uns konnte es egal sein. 

Als wir dann aber das Haus verließen, lagen die Schuhe achtlos vor der Haustüre und sie war nirgends zu sehen. 

Touristen-Kidnapping auf Skyros

Bei meinen Rucksacktouren durch die Kykladen und Sporaden war ich anfangs durch die Methoden der Zimmeranbieter richtig peinlich berührt. Da ich damals nur wenige Worte griechisch konnte (1/2 Jahr Unterricht an der VHS), hatte ich mir als Hilfen die wichtigsten Redewendungen und Fragen auf Karteikarten geschrieben.

Leider kam ich aber nie dazu, diese zu gebrauchen, da - kaum auf festem Boden - bereits die ersten auf mich losstürmten und auf mich einredeten. Aber mit der Zeit fand ich es recht bequem, da ich nie lange nach einer Unterkunft suchen musste. Bald hatte ich es heraus, dass ältere Frauen und Kinder meist private Unterkünfte anboten, während die Männer für Studios usw. warben.

Das tollste Erlebnis in dieser Richtung hatte ich auf der Sporadeninsel Skyros. Die Fähre legte in Linaria, dem Hafen der Insel an und wir fuhren mit dem Bus zum Hauptort, der Chóra. Als ich aus dem Bus ausstieg, griff sich eine Griechin mit den Worten: "Rooms? Ela, éla.." meinen Rucksack und marschierte los. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihr nachzueilen. Auf meine Frage, ob das Zimmer eine Dusche hätte kam die sterotype Antwort: "no Problem...éla, éla".

Sie marschierte rüstig los die engen Gässchen immer weiter bergauf, mal rechts, mal links abbiegend und meine Freundin und ich immer hinter ihr her (es war mir peinlich, dass sie den ganzen Weg meinen Rucksack schleppte, aber wahrscheinlich wollte sie sichergehen, dass wir ihr folgen).

Endlich waren wir angekommen und Anna, so stelle sich unsere "Gastgeberin" vor, zeigte auf das Haus und sagte: "afto inne to spitti mou...". Wir standen vor einem der typischen weißen Häuschen umgeben von einem Blumenmeer. Anna zeigte auf einen Erker oben und gab zu verstehen, daß dies unser Zimmer sei. Mir wurde ganz anders, als ich die Treppe sah, die da hinauf führte. Sie war steil wie eine Hühnerleiter, schmal und mit total ausgetretenen Stufen (sie Stufen zu nennen ist reine Hochstapelei!) es waren lediglich ins Mauerwerk geschlagene Kerben für die Füße - und das auch noch ohne Geländer oder dergleichen.

Ungeachtet meiner Verblüffung kletterte unsere Gastgeberin bereits mit meinem Rucksack die Stufen hinauf und beklommen folgten wir ihr. Die Treppe endete in einem kleinen Erker mit einem Tisch und 2 Stühlen und der Blick, der sich uns von da oben bot, war einfach atemberaubend! Meiner Freundin und mir war aber klar, dass wir unseren Retsina nur hier auf unserem Balkon trinken würden, denn diese Fassadenkletterei mit einigen Gläschen Retsina trauten wir uns nicht zu ;-).

Anna schloß die Türe auf und bat uns einzutreten. Wir kamen in einen sehr hohen unterteilten Wohnraum mit Kamin, von da aus ging es durch einen Durchgang in einen Schlafraum und von da in die Toilette. Auf meine Frage nach der Dusche nahm Anna diese von einem Haken an der Wand, schraubte den Schlauch an den Wasserhahn des Waschbeckens und bedeutete uns damit, dass dies die Dusche sei ...;-). Es war einfach umwerfend!

Anna gab uns zu verstehen, dass wir die Wohnung alleine benutzen könnten, sie würde solange bei ihrer Mutter unten schlafen.

Also ich muss sagen, es war eines meiner schönsten Erlebnisse. Wir wohnten in einer echt skyriotischen Wohnung, ausgeschmückt mit Keramik und Handwebteppichen (dem Hausschatz). Oberhalb des Wohnraumes - über eine Holztreppe zu erreichen - befand sich eine Empore mit einem weiteren großen Bett und einer Kommode. Ein schön geschnitztes Geländer sorgte dafür, dass man nicht in den Wohnraum stürzen konnte ;-).

Immer wenn wir von unseren Streifzügen zurück kamen (wir wurden nicht müde, durch die malerischen Gässchen zu streifen), wartete Annas Mutter schon auf uns und bewirtete uns mit Kaffee und Gebäck. Abends saßen wir oft mit Anna bei einer Flasche Wein auf unserem kleinen Balkon und genossen den Ausblick.

Wir hatten totalen Familienanschluß und das alles für sage und schreibe 5.500 GDR pro Tag für 2 Personen (umgerechnet keine 10 DM).

Doch noch nach Mistras…

Nach Rückfrage bei dem Reisebüro wurde mir mitgeteilt, dass die Fahrt nach Mistras  - wegen zu geringer Beteiligung – ausfallen würde. Vollkommen geknickt, setzte ich mich in ein Cafe und grübelte bei einem Frappee  vor mich hin. Plötzlich hörte ich am Nebentisch das Wort Sparta fallen. Ich fasste mir ein Herz und fragte die beiden Männer, ob sie denn nach Sparta fahren würden? Ich erfuhr, dass sie mit einem deutschen Reisebus hier seien und morgen über Sparta auf die Mani fahren würden.  Auf meine Frage, ob es möglich sei bei Ihnen mitzufahren, bekam ich eine Zusage.

Pünktlich um 7 Uhr morgens stand ich vor dem Hotel und bekam dann auch gleich einen freien Platz im Bus zugewiesen. In Sparta ließen sie mich aussteigen und wir vereinbarten, dass ich um 17 Uhr wieder an dieser Stelle zusteigen könne.

Ich fand dann sehr schnell die Haltestelle für den Bus nach Mistras und als ich vor dem Haupteingang aussteigen wollte bedeutete mir der Busfahrer, dass ich noch sitzen bleiben solle. Er fuhr weiter einige Serpentinen bergauf, hielt dann an und meinte, hier könne ich jetzt aussteigen (ich muss ja noch einen sehr Mitleid erregenden Eindruck gemacht haben).

Ich war am oberen Ausgang der Anlage direkt unterhalb der Burg und somit konnte ich mir die Anlage in Ruhe ansehen, ohne dass ich große Steigungen zu überwinden hatte, da alles bergab ging. (Die Besteigung der obersten Region mit der Festungsanlage traute ich mir noch nicht zu, da ich durch die überstandene Bronchitis noch starke Atembeschwerden hatte).

Mistras ist unbedingt ein Abstecher wert. Es sind noch sehr viele, relativ gut erhaltene Bauwerke vorhanden. Ein Kloster ist sogar noch von Nonnen bewohnt. Ich wanderte den ganzen Tag in den Ruinen herum, machte Fotos und so gegen 16 Uhr begab ich mich zum Ausgang um auf den Bus zu warten, der dann auch bald kam.

In Sparta hatte ich gerade noch Zeit mir einen Toast und etwas zu trinken zu besorgen, als ich mich zur vereinbarten Stelle begeben musste. Nicht lange danach kam schon mein Bus und lud mich wieder ein.

Es gibt doch noch Menschen mit Herz !

Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft

Ein sehr schönes Erlebnis in dieser Richtung erfuhr ich bei meinem Krankenhausaufenthalt auf Korfu. 

Ich hatte mir auf einer Tour den linken Arm ausgekugelt und musste in das Krankenhaus in Korfu-Stadt. Sah nach einer längeren Wartezeit aus, den der Raum war voller Menschen. 

Ich hatte sehr große Schmerzen  und da packte meine Freundin einen vorbeieilenden Arzt einfach am Arm und brachte ihn zu mir mit den Worten: “Tun sie doch etwas, Sie sehen doch dass meine Freundin große Schmerzen hat.“ 

Nun kam ich in einen Raum, der voll gestellt war mit Liegen, nur durch Vorhänge getrennt. Auf so eine Liege musste ich mich legen und zwei Ärzte versuchten dann, mir den Arm wieder einzukugeln. Es war der pure Wahnsinn. Einer kniete über mir und drückte meinen Oberkörper auf die Liege und der andere zog und zerrte am Arm, dass ich dachte er reißt ihn mir aus. Ich habe mir die Lippen blutig gebissen, damit ich nicht schreie. Sie schafften es einfach nicht und so mussten sie einen „Chef“ rufen (waren wohl noch Lehrlinge) Der nun hinzu gekommene Arzt sah sich meinen Arm an und meinte dann, das müsste man unter Narkose am nächsten Tag machen.  

Ein Alptraum scheinbar ohne Ende und ich fühlte mich total elend und hatte große Schmerzen. Ich konnte nicht liegen und habe die Nacht sitzend - und den Arm auf meinem Knie aufgestützt - verbracht. 

Am nächsten Tag dann kam ich in den OP – nein, also OP kann man das wirklich nicht nennen, aber darauf gehe ich nun wirklich nicht näher ein. Als ich wieder aufwachte, war ich in meinem Bett und meine beiden Freundinnen standen daneben. Ich aber konnte mich nicht bewegen und sah an mir runter. Der linke Arm war total bandagiert und außerdem hatte ich dann noch ein breites Band über den Ganzen Oberkörper, damit ich den Arm nicht bewegen kann. Meine Freundinnen mussten wieder alleine ins Hotel gehen, da man mich auf gar keinen Fall ohne Nachuntersuchung usw. entlassen wollte. 

Ich war also 3 Tage in dem Krankenhaus und wäre vor vollen Tellern verhungert, wenn die Betreuer der anderen Patientinnen mich nicht versorgt hätten. 

Wer schon einmal in einem Krankenhaus in Griechenland war, der weiß, dass es da kaum Pflegepersonal gibt. Die Pflege der Kranken übernehmen die Angehörigen, d.h. abwechselnd am Tag oder in der Nacht saß an jedem Patientenbett eine Angehörige bereit.  

Das ich als Fremde hier ganz alleine lag, hat den griechischen Frauen leid getan und sie haben sich fast gestritten darum, wer mir nun das Fleisch zerschneiden darf und wer mich ins Bad begleitet um mich zu waschen. Wenn eine der Griechinnen Besuch bekam, wurde der Mann gleich an den Kiosk geschickt, um mir einen großen griech. Kaffee zu bringen (Geld haben sie aber nie genommen). 

Es war einfach rührend, wie sie sich um mich sorgten und mich bemutterten – dennoch war ich sehr froh, als mich meine Freundinnen am 3. Tag nachmittags abholen konnten.  

Ich wollte dann unbedingt gleich in die nächste Taverne und habe eine Portion Tzatziki mit Scheibenkartoffeln vertilgt.

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