König Ludwig II

 
 

Sein Leben – Sein Ende

 

 
 

 

 
 

 
 

Stammbaum

 
 

 

 ca. 1866

 

  ca. 1879

 
 

 

 
 

 

Am 25.August 1845 wurde den Bürgern der bayerischen Landeshauptstadt München mit Glockengeläut und Kanonendonner angekündigt, dass dem Kronprinzen Maximilian und seiner Frau Marie, einer Prinzessin aus Preußen, der lang ersehnte Stammalter geboren worden war. Der junge Prinz, auf den der Königsthron in Bayern wartet, wurde auf den Namen Ludwig getauft. Drei Jahre später wurde sein einziger Bruder geboren, der den Namen Otto erhielt.

Kronprinz Maximilian, etwas weltfremd eingestellt und ganz in seinen Interessen für die Wissenschaften aufgehend, ließ die beiden Prinzen sehr streng erziehen, jedoch in keiner Weise auf die Aufgaben vorbereiten, die für sie im späteren Leben zu erwarten waren. Abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen verbrachte der junge Ludwig seine Kindheit auf Schloss Hohenschwangau in der Umgebung seiner Mutter, der Schlossbediensteten und der einfachen Bergbauern. Seine Erziehung wurde von Hauslehrern geleitet, die für den geistig äußerst lebhaften Ludwig nicht immer geeignet waren. Die Phantasievollen Wandgemälde der deutschen Sagenwelt im Schloss Hohenschwangau faszinierten den Prinzen und vertieften sein wohl vom Vater und Großvater ererbtes romantisches Gefühlsleben. 

Schon als Junge durchstreifte er früh sich allein die Wälder und Täler um Hohenschwangau. Die Liebe zu den Bergen und zu den einfachen, treuen und unkomplizierten Bewohnern dieses Berglandes bewahrte er sich sein ganzes Leben lang. Dem Prinzen stand selten jemand zur Seite, dem er sich anvertrauen und den er sein oft übervolles Herz hätte ausschütten können. Wohl deshalb baute er sich schon in jungen Jahren eine eigene Welt auf – lebensfern und ichbezogen. Sein Hauptinteresse wandte sich bald der Literatur zu. Der idealistisch gesinnte und für Romantik schwärmende junge Kronprinz liebte vor allem das Pathos der Gedichte und Schauspiele von Friedrich von Schiller und wurde dadurch beeinflusst, sich noch intensiver von der profanen Welt zu trennen und sich in ein geistiges Paradies  zu flüchten, in dem alles nur edel  und schön war.

Mit 16 Jahren begegnete Ludwig zum ersten mal einer völlig neuen Form der Musik. Am 2. Februar 1861 erlebte er die Aufführung der Wagner-Oper „Lohengrin“. In dieser Komposition und auch in der Auslegung des Themas empfand der Kronprinz alle seine romantischen Träume verwirklicht. Ab diesem Zeitpunkt beschaffte er sich alle Kompositionen und auch sonstigen Veröffentlichungen Richard Wagners, deren er nur irgendwie habhaft werden konnte. 

Als Max II. von Bayern am 10. März 1864 starb, wurde Ludwig im Alter von nur 18 ½ Jahren König von Bayern. Er hatte kein abgeschlossenes Studium hinter sich und es wurde ihm bis kurz vor seiner Thronbesteigung praktisch keine Gelegenheit geboten, in das politische Geschehen am Hofe seines Vaters Einblick zu nehmen. Entgegen allen Erwartungen nahm er jedoch die ihm gestellte Aufgabe sehr ernst und er beschäftigte sich eingehend mit der alltäglichen Kleinarbeit eines Regenten. In den ersten Jahren der Regierung war er seinem Volke ein König, der -überzeugt von der Hoheit und Heiligkeit seiner Stellung - die ideale Vorstellung eines Königtums der Kunst und der Kultur zu verwirklichen suchte. 

Eine seiner ersten Maßnahmen als König war der Auftrag an Hofsekretär, den von ihm vergötterten Komponisten Richard Wagner zu suchen und ihn zu veranlassen, nach München zu kommen. Freudig nahm Wagner Anfang Mai 1864 die Einladung an. Am Nachmittag des 4. Mai 1864 stand der Komponist zum erstenmal vor seinem Mäzen. Erst dieser Tag brachte Wagner erneute Schaffensfreude und hatte de Gewähr zur Folge, dass seine Werke der Nachwelt erhalten blieben. 

Die Freundschaft zwischen Richard Wagner und dem König, die sie seit diesem Zeitpunkt  verband, wirkte auf beide im schöpferischen Sinn befruchtend. Losgelöst von allen finanziellen Sorgen war es dem Komponisten möglich geworden, seine Pläne von der großen deutschen Heldenoper weiter in die Tat umzusetzen. Andererseits plante Ludwig II. – von Wagner inspiriert – die Schaffung einer deutschen Musikschule in München und beschloss daneben den Bau eines neuen großen Opernhauses, in dem für alle in den Wagner-Opern verlangten technischen Effekte die modernsten Einrichtungen geschaffen werden sollten. München sollte ein Zentrum der Musik, ähnlich wie Wien, werden. Dieser Plan scheiterte an Widerständen in Kreisen der Staatsregierung und der Münchner Bürger. Diese Gegenströmungen richteten sich nicht allein gegen die hohen Kosten des Projekts, sondern vor allem gegen die Freundschaft des Monarchen mit dem „Revoluzzer“ Wagner.

König Ludwig musste sich, verbittert und tief gekränkt, diesen Einsprüchen beugen. Nach fast eineinhalb Jahren, im Dezember 1865, gab der dem Druck nach und forderte Wagner auf, das Land Bayern zu verlassen. Diese erzwungene Maßnahme führte zu einem Vertrauensbruch mit der bayerischen Regierung und unaufhaltsam verbreiterte sich von Jahr zu Jahr diese Kluft.

An Freundschaften zum anderen Geschlecht war das Leben des jungen Königs sehr arm. Im Sommer 1864 ging das Gerücht im Lande um, dass Ludwig die Zarentochter als Königin  nach Bayern heimführen wolle, - diese Vermutungen fanden aber zum Leidwesen des Volkes keine Bestätigung. 

Eine lebenslange Freundschaft verband ihn nur mit seiner Cousine Elisabeth (Sissy), der Kaiserin von Österreich.

Die in München verstärkt einsetzenden Feindseligkeiten gegen Richard Wagner und damit auch gegen seine eigene Person verleideten dem König den Aufenthalt in seiner Landeshauptstadt. Verbittert trug er sich sogar einmal vorübergehend mit den Gedanken, die Königsresidenz von München nach Nürnberg zu verlegen. Immer häufiger hielt er sich in seiner geliebten Alpenwelt auf, fern aller Intrigen und abseits allen höfischen Gezänks. 

Am 22. Januar 1867 fand die Verlobung zwischen Ludwig II. und seiner Cousine, der Prinzessin Sophie Charlotte von Bayern, einer Schwester der von ihm verehrten Kaiserin Elisabeth von Österreich statt. Die Hochzeit wurde auf den 12. Oktober 1867 festgelegt. Es waren bereits neben den sonstigen Vorbereitungen eine goldene Hochzeitskutsche angefertigt und Gedenkmünzen geprägt worden, - da wurde plötzlich und unvermittelt am 10. Oktober des gleichen Jahres dieses Verlöbnis durch den jungen König wieder aufgelöst. Ab diesem Zeitpunkt trug sich der Monarch nie wieder mit Heiratsgedanken. 

Bei seinen Ausritten und Spaziergängen zog es Ludwig häufig zu einem landschaftlich besonders reizvollen Platz, unweit des Schlosses Hohenschwangau.

Auf einem Vorberg des Tegelberges, dem Schwanstein, befand sich die Ruine der Burg Vorderhohenschwangau. Von dem Bauwerk war nicht mehr viel erhalten. An dieser Stelle sollte die Wartburg des Königs stehen, seine Gralsburg.

Im Frühjahr 1868 nahmen nunmehr die Planungen zum Bau dieses neuen Schlosses Gestalt an. Die Reste der alten Burg wurden beseitigt, eine Wasserleitung und eine Straße angelegt und so konnte Ludwig II. am 5.September 1869 endlich den Grundstein zum heutigen Schloss Neuschwanstein legen. In diesem Schloss, dessen Bau volle 17 Jahre in Anspruch nahm und trotzdem nie vollendet wurde, sollte später der König die bitterste Demütigung seines Lebens erfahren, sollte ihn sein tragisches Schicksal ereilen.

 

Der langjährige Kampf gegen politische Intrigen und gegen persönliche Angriffe verbitterten den König immer mehr. Je mehr er sich von seiner Umwelt unverstanden fühlte, desto stärker begann sich seine Menschenscheu auszuprägen. Häufig fuhr er nur noch im Schutze der Nacht durch sein geliebtes Voralpenland, nur sehr selten zeigte er sich noch in der Öffentlichkeit.

In dieser Zeit spannen sich die ersten Gerüchte und Legenden um den einsamen König; er wurde für das einfache Volk zum Märchenkönig.

 

Immer mehr konzentrierte sich der König auf den Bau seiner Schlösser. Im Gaswangtal bei Oberammergau wurde ab 1874 an Schloss Linderhof gebaut

und ab 1878 entstand auf der Herreninsel im Chiemsee das prunkvolle Schloss Herrenchiemsee. Weitere Schlossbauten waren geplant.

 

Anfang Juni 1886 verschärfte sich die Krise in Bayern derart, dass die Mitglieder des Hauses Wittelsbach, also der Königsfamilie, eine Einberufung des Familienrates für erforderlich hielten. Es sollte beraten werden, durch welche Maßnahmen Ludwig II. veranlasst werden könnte, sich wieder mehr den Regierungsgeschäften zuzuwenden und die Ausgaben für seine Prachtbauten einzuschränken. Zur gleichen Zeit traf sich jedoch bei dem in Ungnade gefallenen Grafen Holnstein eine Gruppe von Politiker.  Dieser Kreis, an der Spitze Ministerpräsident Lutz, beschloss, den König durch ein im Auftrag der Regierung erstelltes ärztliches Gutachten für geisteskrank erklären und entmündigen zu lassen. Der Onkel Ludwigs, Prinz Luitpold von Bayern, wurde als Regent vorgesehen. 

Am 8. Juni 1886 wurde das angeforderte Gutachten durch die Ärzte Dr. von Gudden, Dr. Hagen, Dr. Hubrich und Dr. Gashey erstellt, das eine Geisteskrankheit des Königs beweisen sollte. Hier muss aber unbedingt erwähnt werden, dass Ludwig II. von Ärzten begutachtet wurde, die niemals Gelegenheit hatten, ihn zu untersuchen. Sie waren ausschließlich auf die nicht immer glaubwürdigen Aussagen und Beobachtungen von Zeugen angewiesen, die ihnen die Auftraggeber des Gutachtens zubrachten. 

Am 1. Juni 1886 brach der König nach Hohenschwangau auf. Er wollte die Pfingstfeiertage auf Schloss Neuschwanstein verbringen. Er ahnte nichts von alledem, was sich über seinen Haupt zusammenbraute. Ludwig II. verbrachte die kalten und regnerischen Tage vor Pfingsten 1886 auf seinem Märchenschloss, schlief lange in den Tag hinein und las in den Büchern seines Lieblingsdichters Schiller. Die Kommission aus München war aber bereits unterwegs, um ihm Freiheit und Krone zu nehmen. 

Am Abend des 9. Juni 1886 ließ der König seinem Leibkutscher Osterholzer anweisen er solle eine Kusche anspannen und ihn gegen 1 Uhr nachts zu einer Ausfahrt in Neuschwanstein abholen. Als Olsterholzer dieser Anordnung nachkommen wollte, tauchte plötzlich Graf Holnstein auf und befahl ihm, die Pferde wieder in den Stall zurückzubringen. Osterholzer berief sich auf den Befehl des Königs, worauf ihm Holnstein grob antwortete: „Der König hat nichts mehr zu sagen. Befehle werden jetzt nur noch von Prinz Luitpold erteilt!“.  Darauf spannte der Kutscher wieder aus und verließ heimlich Hohenschwangau. Er meldet sich im Schloss Neuschwanstein beim König, um den Vorfall zu berichten. Ludwig meinte, Osterholzer übertreibe und glaubte an keine akute Gefahr. Auf die dringenden Vorstellungen seines Leibkutschers hin beschloss er aber dann doch, vorsichtshalber die Gendarmerie- und Feuerwehrkommandos der näheren Umgebung auf Neuschwanstein zusammen zu ziehen, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Außerdem ließ er auf telegraphischem Wege Graf Dürckheim, seinen ihm treu ergebenen Adjutanten, zu sich beordern. Anschließend begab sich Ludwig ruhig zu Bett. 

Am frühen Morgen des 10. Juni – kurz vor 4 Uhr – fuhren einige Kutschen am Tor des Schlosses vor und die Insassen,  Minister von Crailsheim, einige Adelige, Ärzte und Irrenwärter, verlangten gebieterisch Einlass. Auf Geheiß des Königs wurde jedoch das Tor von den Wachen verschlossen gehalten. Während der Auseinandersetzung zwischen Staatskommission und Wachpersonal sammelten sich in drohender Haltung gegen die Delegation immer mehr und mehr Einwohner von Schwangau und Füssen vor dem Schloss an, so dass schließlich die Kommission unverrichteter Dinge auf das alte Schloss Hohenschwangau zurückkehren musste. 

Morgens um 7 Uhr ließ Ludwig II., in Kenntnis und empört über das versuchte Eindringen in das Schloss und seine beabsichtigte Festnahme, die Mitglieder der Kommission durch die örtliche Gendarmerie verhaften und in Personalzimmern des Torbaues im Schloss Neuschwanstein einschließen. Nach Beruhigung der Lage, gegen Mittag des gleichen Tages, hieß der König die zu seiner Unterstützung herbeigeeilten Bürger wieder nach Hause zu gehen und auch die Mitglieder der Staatskommission wurden entlassen – sie konnten unbehelligt nach München zurückkehren. 

Durch die Verhaftung der Kommission gelang es Ludwig II., den Lauf des Verhängnisses noch etwas aufzuhalten. Um Mitternacht vom 11. Auf den 12. Juni 1886 meldete der verräterische Kammerlakai Mair dem König, der angeblich verlorene Schlüssel zum Südturm des Schlosses sei wieder gefunden worden. Der Diener händigte Ludwig diesen Schlüssel aus und der König ging durch das Speisezimmer in Richtung Südturm. Im Dienerzimmer wurde er von einer Schar Männer umringt und festgehalten. Zurückgeführt in sein Schlafzimmer, trat Dr. von Gudden auf ihn zu und sagte: „Majestät! Es ist die traurigste Aufgabe meines Lebens, die ich übernommen habe. Majestät sind von vier Irrenärzten begutachtet worden und nach deren Ausspruch hat Prinz Luitpold die Regentschaft übernommen. Ich habe den Befehl, Majestät nach Schloss Berg zu begleiten und zwar noch in dieser Nacht.“

Am Morgen des 12. Juni 1886, gegen 4 Uhr , musste der König mit den Ärzten und Pflegern Schloss Neuschwanstein verlassen. Die 8-stündige Fahrt, die nur hin und wieder wegen des notwendigen Wechsels der Pferde unterbrochen wurde, endete auf Schloss Berg am Starnberger See. Dieses Schlösschen, einst einer der liebsten Aufenthaltsorte des unglücklichen Königs, war inzwischen zu einem Gefängnis umgebaut worden; alle Fenster stark vergittert, die Türen mit Gucklöchern versehen und nur von außen zu öffnen. Ludwig II. war ruhig, gefasst und von eisiger Höflichkeit.

Am Vormittag des Pfingstsonntags (13. Juni 1886) unternahm der König zusammen mit Dr. von Gudden einen Spaziergang durch den Schlosspark. In etwa dreißig Schritt Abstand folgten zwei Pfleger. Am späten Nachmittag, kurz nach 18 Uhr, wünschte der Monarch nochmals einen Spaziergang zu machen. Wie am Vormittag in Begleitung von Dr. Gudden wollten sich die zwei Wärter anschließen, doch Dr. Gudden winkte ab - er deutete den beiden an, ihnen nicht zu folgen. Warum Dr. Gudden dies tat, ist nicht bekannt. Ein Rätsel, das nie mehr gelöst werden kann. Die beiden Spaziergänger entschwanden in einem Laubengang, der zum See hinunter führte. 

Als gegen 19 Uhr der König und sein Arzt noch nicht zurückgekehrt waren, breitete sich Besorgnis unter Ärzten und Dienerschaft aus. Wachpersonal durchsuchte den Park, kehrte jedoch erfolglos zurück. Weil nun Außergewöhnliches zu vermuten war, wurde das gesamte Schlosspersonal zur Suche in den Park geschickt. Einige Minuten nach 23 Uhr fand man die beiden Vermissten, sie lagen tot im Wasser. Wie es zu diesem tragischen Ende kam wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Es gibt die widersprüchlichsten Versionen und die einzigen die es wissen konnten waren beide tot. 

Dieses Kreuz kennzeichnet die Stelle in Starnberger See, wo man die Leichen fand

Es ist bis auf wenige Ausnahmen kaum möglich, im Rückblick festzustellen, welche Angaben aus der damaligen Zeit der Wahrheit entsprechen, welche halbwahr und welche einfach vorsätzlich falsch sind. Fest steht jedenfalls, dass Ludwig II. sich – zumindest zu Beginn seiner Regierungszeit – sehr bemüht hat, als fortschrittlicher Herrscher den Bildungsstand des ihm anvertrauten Volkers zu heben. Er ließ Schulen und Gymnasien erbauen, gründete die Akademie für bildende Künste und die Technische Hochschule in München und förderte durch seine „Wittelsbacher Stiftung“ Handwerk und Kunstgewerbe in Bayern. Er unterstützte auch als einer der Ersten die geniale Idee Henry Dunant`s  zur „Hilfsaktion vom Roten Kreuz“

 

Ludwig II. von Bayern wird heute noch von vielen Menschen als ihren "Kinni" verehrt, sei es als „Märchenkönig“ oder sei es als Mensch, der das Schöne und Gute wollte und suchte, dessen Umwelt aber durch Lug und Trug nur Unheil über ihn brachte. So strahlend das Leben dieses Königs begann, so düster, und für die Nachwelt wohl immer ein Rätsel, endete es.

Auszug aus der Broschüre von Julius Desing

 
     
     
 

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