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Das Bayrische Versailles

Eine
einzigartige Architekturanlage sollte die ganze Insel nach Willen und Traum
Ludwigs II. werden. Ein Denkmal und zugleich eine Wiedergeburt der
Vergangenheit. Er hatte die Vorstellung das reine , das ideal-poetische
Königtum in diesem Bau wiedererstehen zu lassen. Als Sinnbild dieses
Königtums und seiner Repräsentation erschien ihm der Sonnenkönig und dessen
Residenz Versailles. Von Ludwig XIV . trug er über seinen Großvater Ludwig
I. den Namen: eine Vorgang von verpflichtender Bedeutung. Versailles also
galt es im Königreich Bayern neu zu erbauen!
1878 wurde
der Grundstein gelegt, doch schon ein Jahr später musste die Arbeit am
Schloss aus Mangel an Mitteln wieder eingestellt werden. Dennoch, das
Kernstück – der Mitteltrakt nach Versailler Vorbild – ist ausgeführt,
einheitlich und eindrucksvoll genug. Die hufeisenförmige Dreiflügelanlage
mit Marmorhof im Osten und französischem Garten im Westen ist in eine breite
Parkpromenade hineingestellt. Nicht an der Hoffront, wie es sinngemäß wäre,
ist heute der Eingang in das Schloss, sondern die Gartenfront - eine mit 25
Fensterachsen lang hingestreckte Fassade, mit vorspringenden Nischenfiguren.
Wie ein Teppich breitet sich davor der französische Garten aus belebt durch
mythologische Figuren.

Darunter als
Mittelpunkt und Blickfang – wie in Versailles – jener Brunnen der Göttin
Latona, die soeben im Begriffe ist, aufbegehrendes Bauernvolk strafend in
Frösche und Lurche zu verzaubern.
Wie in
Versailles? Dieser Eindruck verwirrt sich in den Räumen des Schlosses immer
mehr. Die im Obergeschoß des Süd- und Westtraktes nur zur Repräsentation
bestimmten Säle und Zimmer des großen Appartements sollten im Geiste Ludwig
XIV. - des Nordtrakts nach Louis XV. ausgestattet werden. Doch der Geist hat
sich von seinem Vorbild gelöst.
Prunksüchtiger als die Galerie des "Glaces in Versailles" zu ihren
Glanzzeiten je gewesen sein konnte, geriet natürlich auch die Spiegelgalerie
als Festsaal. Eine blendende Flut aus Licht am Tag, wenn aus dem Garten die
Sonne durch 17 Bogenfenster einfällt – eine flimmernde Goldgrotte aus Licht
in Konzertnächten, wenn die Kerzen von 33 Glaslüstern und 44 Standleuchtern
den vergoldeten Stuck in zitternde Bewegung versetzen.
Dieser
Spiegelsaal, das prunkvolle Schlafzimmer und das Speisezimmer mit der
versenkbaren Tafel ((so
konnte der König in Ruhe speisen, ohne durch die Bediensteten gestört zu
werden) sind die
imposantesten Räume, wenn es überhaupt eine Steigerung gibt.
Hier und
überall grellweißer Stuck und vielfarbiger Stuckmarmor, Lüster, Leuchter und
Ziervasen, Goldstickerei, vergoldete Schnitzerei, vergoldete Palmbäume,
vergoldete Nischenfiguren, Porzellanaufsätze, Porzellangemälde, violette und
blaue Seide, grüner Seidendamast, Prunkschränke, Prunkschreibtische,
Prunkuhren aus Rosenholz …. und Götter und Göttinnen wohin man blickt, sowie
Spiegel wohin man sich wendet.
Im
Erdgeschoss, befindet sich die technische aufwendige Aufzugskonstruktion für
das versenkbare Tischlein-deck-dichund auch das königliche Bad, das eher
einem Schwimmbassin gleicht.
Versailles ohne Geschichte
Wenn der
König kam, wurde die Dampfschiffahrt auf dem See stillgelegt, waren Gäste so
ungelitten wie bei den Separatvorstellungen im Theater seiner Residenz. Es
wurden Pappfiguren als Attrappen vor die riesigen Fenster des Schlosses
gestellt, Menschen ohne Fleisch und Blut, nur Maß und Proportionen der
Architektur markieren sollten.
Da das
Schloss aber immer sehr viel von Touristen besucht wird, war es kaum möglich
einigermaßen schöne Fotos zu machen, die die eigentliche Schönheit der
Räume wiedergeben konnten. Aus diesem Grunde habe ich mir Karten gekauft und
diese eingescannt. So kann man die Räume richtig auf sich wirken lassen. |